Österreich steht ein besonderer Tag bevor und er ist in aller Munde – die Medien haben einen Höhenflug, die Sitznachbarn im Café unterhalten sich darüber und sogar beim üblicherweise ruhigen Sonntagsfamilienessen gehen schon mal die Wogen hoch. Es ist wieder Wahltag. Aber nicht irgendeiner, am 22. Mai 2016 wählen die Österreicherinnen und Österreicher ihren Bundespräsidenten. Es war schon lange nicht mehr so spannend und bewegend wie dieses Mal.

Nein, dieser Blogbeitrag wird sich nicht damit beschäftigen, welcher Kandidat der bessere für Österreich wäre, dazu lassen sich genug Beiträge und Analysen finden. Vielmehr wollen wir aufzeigen, warum es so wichtig ist, zu wählen:

Unser Wahlrecht ist nicht selbstverständlich, es wurde lange dafür gekämpft und viele Menschenleben sind diesem Kampf zum Opfer gefallen, angefangen mit den Revolutionen des Jahres 1848 bis hin zum Zerfall der Habsburger Monarchie 1918, welche erst ein allgemeines Wahlrecht für alle ermöglichte. Davor gab es unterschiedliche Formate wie das Zensus- und Kuriensystem oder 1907 das allgemeine Wahlrecht für Männer. Frauen haben dieses übrigens erst ab 1919 erhalten, davor gab es nur beim Zensuswahlrecht, bei Erbringung der benötigten Steuerleistung, die Möglichkeit ebenfalls an Wahlen teilzuhaben.

Die Durchsetzung des allgemeinen Wahlrechts für alle währte aber nicht lang, als 1933 die Regierung unter Dollfuß das Parlament ausschaltete und ein autoritärer Ständestaat errichtet wurde. Erst seit der Gründung der Zweiten Republik 1945 genießen wir bis heute das Privileg unsere Volksvertretung und unsere_n Bundespräsident_in zu wählen und so indirekt an der Gestaltung Österreichs und der Wahrung unserer Interessen teilzuhaben.

Unser Privileg wählen zu dürfen, scheint für viele aber keines mehr zu sein: die Politikverdrossenheit steigt seit Jahren, viele Menschen sind frustriert, da sie das Gefühl haben, dass sie mit ihrer Stimme nichts ändern können oder gehen aus Protest gar nicht mehr wählen – oder haben einfach kein ausgeprägtes Interesse und politisches Bewusstsein. ABER: jede einzelne Stimme zählt!

Ihr beeinflusst mit eurer Stimme die Richtung, in die Österreich gehen soll und in der es sich der Welt präsentiert. Ihr habt Einfluss auf die Auslegung von Demokratie und der Angelobung der nächsten Bundesregierung. Mit eurer Stimme sichert ihr eine funktionierende Demokratie: die Staatsform, die euch Freiheit, Gleichheit, Schutz, Mitbestimmung und vielfältigste Lebensformen bietet.

Wenn ihr nicht wählen geht – andere tun es und entscheiden über eure Zukunft!

In diesem Sinne wünschen wir euch einen schönen Wahlsonntag!