Wenn wir auf die letzten zwei Jahre zurückblicken, hat sich das Marketing rasanter verändert als in dem Jahrzehnt davor. Künstliche Intelligenz ist längst kein Nischenthema mehr, sondern fester Bestandteil fast jeder Software und Strategie. Doch genau diese technologische Sättigung sorgt für eine interessante Gegenbewegung. Für das Marketing in 2026 beobachten wir eine klare Tendenz: Weg von der reinen Automatisierung, hin zu echter Tiefe und Vertrauen. Die Technik ist die Basis, aber der Mensch ist wieder der entscheidende Faktor.

Hier sind die fünf wichtigsten Trends für 2026, auf die du deine Strategie jetzt ausrichten solltest.

 

1. Von „Social Media” zu „Interest Media“

Wir müssen aufhören, die Plattformen so zu behandeln wie noch vor fünf Jahren. Der Begriff „Social Media“ ist 2026 irreführend geworden, denn der soziale Aspekt – die Vernetzung mit Freunden und Bekannten – spielt für die Reichweite kaum noch eine Rolle. Wir haben uns vollständig zu Interest Media gewandelt.

Früher basierten Feeds auf dem Social Graph: Du hast gesehen, was Personen gepostet haben, denen du folgst. Heute regiert der Interest Graph. Algorithmen von TikTok, Instagram und sogar LinkedIn kuratieren den Feed fast ausschließlich basierend auf Interessen und Verweildauer, völlig unabhängig davon, ob eine Nutzer-Follower-Beziehung besteht.

Die Konsequenz für dich:

Die Kennzahl „Follower“ ist endgültig zur rein dekorativen Größe („Vanity Metric“) verkommen. Eine hohe Follower-Zahl garantiert dir keine organische Reichweite mehr, wenn das aktuelle Content-Stück nicht relevant ist.

  • Thema schlägt Netzwerk: Du kannst heute theoretisch mit null Followern starten und mit dem ersten Video Millionen erreichen, wenn es exakt den Nerv einer Interessensgruppe trifft.
  • Bleib in deiner Spur: Der Algorithmus kategorisiert deinen Account strenger denn je. Wenn du heute über Marketing postest und morgen über dein Mittagessen, verwirrst du das System. Um im Interest Graph ausgespielt zu werden, brauchst du einen extrem klaren thematischen Fokus. Nischenthemen funktionieren 2026 besser als breite Accounts, da die KI sie präziser an die passenden Nutzer ausspielen kann.

 

2. Persönlichkeit als Gegenmittel zum „Brainrot“

Der ständig wachsende Konsum immer kürzer werdender Formate hat seine Folgen hinterlassen. “Brainrot” ist nicht nur ein Jugendgefühl, auch Unternehmen sollten sich damit befassen. Für sie wird es immer schwieriger, in den Unmengen an produziertem Content nicht unterzugehen und bewusst gesehen zu werden. Die Aufmerksamkeitsspannen der User sind kurz, die Reize sind hoch, und die Nutzer scrollen oft nur noch in einer Art Trance. Die Konsequenz: Starke Hooks, um die Aufmerksamkeit der User kurz zu erlangen. Doch ist es die richtige Strategie, in einem Meer aus Schreihälsen immer lauter zu schreien? Irgendwann verliert man einfach die Stimme und hat keine Superlative mehr draufzusetzen.

In einer Welt, in der jeder Unternehmer und Creator innerhalb von Sekunden perfekte Texte und Hochglanz-Bilder per Knopfdruck generieren lassen kann, ist „perfekter“ Content zur Massenware verkommen. Aber auch das klassische “Home Video” mit seiner scheinbaren Authentizität verliert durch den Überfluss an Relevanz

Die Konsequenz für dich:

Positioniere dich ganz bewusst als Gegenpol zum Brainrot und zum perfekten Content. Faktenwissen ist heute kostenlos verfügbar; dafür braucht niemand mehr deinen Kanal. Was deine Kunden 2026 suchen, ist Einordnung, Kuratierung und persönliche Meinung.

  • Trau dich, deine Meinung zu zeigen: „Opinion Pieces“ – also Beiträge, in denen du eine subjektive Meinung vertrittst oder persönliche Erfahrungen teilst – werden wichtiger als reine Info-Posts. Zeige Prozesse. Zeige das Team. Zeige auch mal Fehler. Je transparenter und „greifbarer“ dein Unternehmen online wirkt, desto höher ist der Vertrauensvorschuss. Ein unscharfes Foto aus dem echten Büroalltag schlägt 2026 das perfekt generierte KI-Bild.
  • Sei der Anker im Feed: Statt generischer Floskeln brauchst du Tiefe. Ein ruhiges Video, in dem du einen komplexen Sachverhalt verständlich und unaufgeregt erklärst, ist 2026 wertvoller als zehn hektische austauschbare Trend-Videos mit schnellen Schnitten.
  • Nutze kurze Formate weiterhin als „Teaser“, aber investiere wieder in „Long-Form Content“. Das kann ein ausführlicher Blogartikel sein, ein längeres YouTube-Video oder ein Podcast. Um Vertrauen aufzubauen, musst du potenziellen Kunden die Möglichkeit geben, Zeit mit dir und deinen Gedanken zu verbringen.

 

3. Mikro-Influencer als Vertrauens-Anker

Die Ära der austauschbaren Makro-Influencer, die wahllos Produkte in die Kamera halten, ist vorbei. In einer Zeit der digitalen Skepsis suchen Kunden nach Validierung durch „echte“ Menschen. Hier schlägt die Stunde der Mikro- und Nano-Influencer (1.000 bis 20.000 Follower). Sie sind keine Werbeflächen, sondern vertraute Stimmen in spitzen Nischen.

Die Konsequenz für dich:

Hör auf, nach Reichweite zu bezahlen. Buche Glaubwürdigkeit.

  • Partnerschaft statt Placement: Buche Influencer nicht für einen einzelnen Post, sondern integriere sie langfristig als Markenbotschafter. Das Ziel ist, dass ihr Gesicht mit deiner Marke assoziiert wird.
  • Validierung für Social Search: Wenn ein Nutzer auf TikTok nach deinem Produkt sucht, muss er Videos von echten Menschen finden, die es benutzen. Mikro-Influencer füllen diese Lücke. Sie produzieren den „User Generated Content“ (UGC), der für deine SEO auf den Plattformen überlebenswichtig ist.
  • Nische vor Masse: Ein Influencer mit 3.000 Followern, die genau deine Zielgruppe sind (z. B. „Nachhaltiges Gärtnern in der Stadt“), ist 2026 wertvoller als ein Lifestyle-Account mit 100.000 Followern ohne thematischen Fokus.

 

4. GEO ist das neue SEO: Optimierung für die KI

Die Website Optimierung hat sich verändert. Nicht mehr nur der Google Algorithmus gibt den Ton an, auch KIs nutzen Webseiten als Quellen. Erwähnungen von Chatbots sind mindestens so wertvoll wie ein Suchergebnis auf der ersten Seite von Google. Deine Optimierungsmaßnahmen müssen also erweitert werden. Dein Ziel ist es, dass KIs dein Unternehmen als Antwort auf eine Frage des Nutzers ausgeben. Das ist GEO (Generative Engine Optimization).

Die Konsequenz für dich:

Vieles bleibt gleich, manches ändert sich. Solltest du auf deiner Website noch Keywords spammen, dann ist es jetzt endgültig Zeit, damit aufzuhören. KIs arbeiten semantisch und kontextbezogen. Um in den Antworten aufzutauchen, musst du deine Formulierungen eventuell anpassen:

  • Setze auf klare Strukturierungen und baue häufige Fragen in deine Inhalte ein. Menschen kommunizieren mit Chatbots vorwiegend in ganzen Sätzen und stellen Fragen. FAQs und “How to”-Inhalte gewinnen dadurch noch mehr an Bedeutung. Nummerierungen und Bulletpoints, sowie klassisches Schema Markup hilft KI’s und auch dem Google Bot sich zu orientieren. Das ist alles nichts Neues, wenn du dein SEO in den letzten Jahren nicht vernachlässigt hast, aber ein noch deutlicherer Fokus auf Fragen. Versuche, dich in deine potenziellen Kunden hineinzuversetzen. Welche Fragen würden sie stellen? Was sind ihre Wünsche und Anliegen? Nutze diese Fragen auf deiner Website. Tools wie Frase können dabei helfen, relevante Fragen zu finden.
  • Werde zur Autorität (Entity Optimization): Die KI empfiehlt nur Quellen, die sie als vertrauenswürdig einstuft. Backlinks sind deswegen sowohl für SEO, als auch für GEO sehr wichtig. Erwähnungen auf anderen vertrauenswürdigen Seiten (Presse, Fachartikel, Partner) stärken deine Autorität aber sogar ohne direkte Verlinkung. Nutze auch auf deiner Seite interne Links (zur Strukturierung) und externe Links zu vertrauenswürdigen Quellen. Zitiere und verlinke Quellen mit hoher Autorität, um dich in deren Kontext zu setzen. Nutze Statistiken und relevante Zahlen, um deinen Expertenstatus herauszustreichen.
  • Die neue Messbarkeit (Share of Model): Die größte Herausforderung 2026 ist das Tracking. Da die Antwort von KI-Modellen direkt im Chat erfolgt, bekommst du meist keinen Klick auf die Webseite (Zero-Click). Herkömmliche Analysetools sind hier blind. Du musst deinen Fokus verlagern: Zusätzlich zum „Website Traffic“ musst du deinen „Share of Model“ messen. Finde heraus, wie oft und in welchem Kontext dein Markenname in KI-Antworten generiert wird. Tools zur Überwachung von „Brand Mentions“ in Large Language Models (LLMs) sind zum Beispiel Otterly, Peec oder Rankscale. Mach dir keine Sorgen, wenn dein Website Traffic abnimmt, das ist 2026 ganz normal, denn nicht nur KI Chatbots promoten Zero-Click-Modelle, auch Suchmaschinen selbst bieten KI-Overviews und reduzieren damit deine Klicks.

Wer 2026 ignoriert, wie KI-Modelle Informationen filtern und wiedergeben, der verliert wertvolle Möglichkeiten auf Erwähnungen, welche die Marke dauerhaft stärken können. Die große Schwierigkeit: KI-Modelle liefern auf eine Frage nur eine einzige kurze Antwort und keine Unmengen an Links, aus denen der User wählen kann. Wenn du nicht relevant genug bist, dann bekommst du also nicht wenig, sondern gar keine Aufmerksamkeit oder nur wenn User gezielter nach dir fragen.

 

5. Dark Social und geschlossene Communities

Die organische Reichweite auf den großen Plattformen wird teurer und unberechenbarer. Zudem findet Kommunikation zunehmend im Verborgenen statt: In Direktnachrichten (DMs), WhatsApp-Gruppen oder anderen Direct Messaging Communities. Man spricht von „Dark Social“, weil diese Empfehlungen für Tracking-Tools unsichtbar sind.

Die Konsequenz für dich:

Der Fokus verschiebt sich von „Follower sammeln“ zu „Beziehungen pflegen“. Antworte auf Direktnachrichten persönlich. Fördere den Austausch in geschlossenen Räumen, etwa einem eigenen Newsletter oder einer Community-Gruppe. Der direkte Draht zum Kunden ist 2026 wertvoller als eine große, aber anonyme Follower-Zahl.

 

Lass uns dieses Jahr nutzen, um dein Marketing nicht nur lauter und umfangreicher, sondern besser zu machen. Wenn du Unterstützung dabei brauchst, diese Trends in deinen Plan zu integrieren, stehen wir dir gerne zur Seite.

Auf ein erfolgreiches Jahr 2026!

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